Data sein Schwermetall

Heavy Metal (1981)
© Felix Herzog

Heute werden wir erwachsen… mit Betonung auf dem Wort werden!

Mit anderen Worten, wir begeben uns in die Abgründe pubertärer Phantasien (so haben es zumindest viele Kritiker des Films formuliert, den wir heute besprechen) und tauchen ein in eine fantastische Welt aus Sex, Gewalt, schnellen Autos, Drogen und Rock’n’Roll – wir reden über den 1981er-Zeichentrickfilm, inspiriert durch das gleichnamige Comic-Magazin…

HEAVY METAL

Schätze aus unseren Sammlungen
Data seine Links:
Die Moebius-Comics, die (vermeintlich) als Inspiration für die neu geschaffenen Segmente dienten: Arzach & The Long Tomorrow (© Moebius / Les Humanoids Associés)

2 Antworten auf „Data sein Schwermetall“

  1. Hallo Felo, Hallo Lars!

    Ich kam tatsächlich durch die South Park-Episode mit dem Titel „Major Boobage“ (Staffel 12, Episode 3), die ich vor ca. 10 Jahren (boah, wie lange das schon wieder her ist!) zu „Heavy Metal“. Damals fand ich die Animationen und den Stil total cool, es erinnerte mich an Filmation-Animationsserien wie „He-Man“, „Ghostbusters“ und „BraveStarr“, aber auch an die Bilder von Frank Frazetta. Frazetta war einer der berühmesten und einflussreichsten Illustratoren im Bereich Science Fiction und Fantasy. Seine Werke kennt ihr bestimmt, sie zeigen oft martialische Monster, Barbaren oder muskulöse Frauen in sexy Kostümen, die alle in Fantasy-Welten zuhause sind. Weil er so geachtet war, erstellte Frazetta u.a. ein Cover für die Comicreihe „Conan der Barbar“. Die Covers von Manowar-Platten haben viel Ähnlichkeit mit Frazettas Arbeit.

    Entweder habe ich keine Recherche betrieben, um herauszufinden, woher der Stil kommt oder es in der Zwischenzeit vergessen. Ich kenne nur wenige „erwachsene“ Animationsfilme, die in den 80iger Jahren in den USA produziert wurden. Das meiste stammt von Disney oder Warner Bros., daneben gab es halt noch Filmation mit den oben genannten Serien (+ TAS) und „The Last Unicorn“. Insgesamt ist mein Blick auf Animationsfilme der 80er aber stark von Animes, also japanischen Produktionen, geprägt, weil es unglaublich viele gibt. Darum ist ein Film wie „Heavy Metal“ von vornherein schon außergewöhnlich.

    Zum ersten Mal gesehen habe ich „Heavy Metal“ letzten Sonntag auf Amazon Prime Video. Trotzdem kamen mir einige Animationen und Designs bekannt vor, vielleicht kannte ich sie schon. Die Comics habe ich nicht gelesen, aber sie fallen meiner Meinung nach in dieselbe Kategorie von Underground Comics wie „Tales from the Crypt“, das in den 90igern zu einer Serie verfilmt wurde und einen ähnlichen (?) Kultstatus hat. Der Außerirdische, der nach zehn Minuten von zwei Polizisten aus dem Polizeirevier getragen wird, erinnerte mich an Kiff Kroker aus „Futurama“, weil es ein kleines, dünnes Wesen mit großen Augen und grünem Gesicht ist. Noch stärker fand ich die Ähnlichkeit zu „Futurama“ in der Episode „So Beautiful & So Dangerous“, als der kaputte Androide und die rothaarige, vollbusige Stenotypistin Gloria durch die transparente Röhre in das Raumschiff gesaugt werden. Das sieht nämlich genauso aus wie das Röhrensystem in New New York, durch das man im Jahr 3.000 Leute schießt!

    Nachdem Gloria mit dem Roboter Sex hatte, sagt er:
    „I’ve been programmed to be fully proficient in sexual activities.“
    Das erinnert mich sehr an den Androiden Data mit seinen „multiplen Techniken“!
    Als er mit Gloria übers Heiraten diskutiert, sagt sie:
    „But mixed marriages just don’t work.“
    Aha, „Mischehen“ funktionieren also nicht? Da muss ich mich schon seeehr anstrengen, um hier keine rassistische Aussage zu erkennen. Das „Kiff Kroker“-Alien am Anfang wurde ja als „illegal Alien“ (illegaler Einwanderer) bezeichnet. Gloria sagt, sie möchte eine jüdische Hochzeit, aber ich weiß nicht mehr, wie der Roboter darauf reagiert hat. Da tut sich eine „Antisemitismus-Falltür“ auf, die der Film gar nicht mal unbedingt vermieden hätte. Wie ihr gesagt habt, ist „Heavy Metal“ auf keinen Fall politisch korrekt, aber auch sowas kann ich mir von Zeit zu Zeit gut anschauen.

    In der Szene mit den koksenden Aliens fragte ich mich, ob sich die Macher des Films hier selbst verewigen oder sie ihren Berufsstand aufs Korn nehmen wollten. Der Konsum von harten Drogen ist unter berühmten KünstlerInnen keine Seltenheit, man denke z.B. an Vincent van Gogh, Janis Joplin und Michael Jackson.

    Am Anfang der 3. Episode „Den“ dachte ich: „So beginnt die Story von ‚Maniac Mansion‘, dem berühmten Computerspiel, über das Sebastian schon eine tolle Rückspultasten-Folge produziert hat: Jemand findet einen geheimnisvollen Meteoriten, nimmt ihn mit nach Hause, möchte ihn untersuchen und danach passieren verrückte Dinge.“ Ich wunderte mich sehr darüber, dass er sich in der Fantasy-Welt in einen violetten Meister Proper verwandelt hat, aber ihr habt recht, das liegt an der merkwürdigen Ausleuchtung in dieser Szene. Am besten finde ich die Hintergründe mit Fluid-Effekten.

    Mein Favorit unter den Kurzfilmen ist „B-17“, weil ich die Animationen und die düstere Atmosphäre sehr mag. Der Bomberpilot entkommt zwar den Geschossen der Japaner, aber sein Schicksal ist trotzdem besiegelt. Diese Episode zeigt meiner Meinung nach den Krieg als die Hölle, die er ist. Selbst wenn ich ihn überlebe, verfolgen mich die Toten und lassen mir keine Ruhe. Die Hoffnungslosigkeit der Story finde ich toll, das ist richtig fieser Horror, bei dem auch mal Menschen zerfetzt werden und ihre Gedärme aus dem Bauch quellen. Wenn das wie hier gut gemacht ist, gefällt es mir. Dass die Episode von Dan O’Bannon geschrieben wurde, passt zu ihm.

    Die weiblichen Charaktere haben mich ganz schön gelangweilt, weil sie alle zum selben Typus gehören (groß, schlank, vollbusig) und meistens keine richtige Aufgabe haben oder vom Protagonisten einfach mal gevögelt und danach desintegriert werden.

    Ich empfinde „Heavy Metal“ als netten Animationsfilm, der zwar keine ausgearbeitete Story oder erzählerische Tiefe besitzt, aber wie ihr sagt ein Stück Animationsgeschichte darstellt. Danke für den Tipp zum Bonusmaterial auf der DVD! Sie kostet auf Amazon 5,29 €, das ist ein sehr vernüftiger Preis.

    LG
    Michael

    1. Wie konnte ich nur die Data-Parallele in So Beautiful & So Dangerous übersehen! Asche auf mein Haupt! Das ist, als ob TNG Heavy Metal zitiert hätte! 😀

      Bei der Stelle mit der Mischehe habe ich ja auch ziemlich geknirscht. Aber wie gesagt, hier wie auch an der Dialog-Stelle mit der jüdischen Hochzeit waren ursprünglich weitere Dialoge geplant gewesen, die dem ganzen vielleicht etwas den Stachel genommen hätte.
      Obwohl ich mit ein bisschen mehr Abstand gar nicht mal so sicher bin, ob man wirklich Antisemitismus vermuten muss an der Stelle. Jüdische Hochzeiten sind in den USA ja schließlich etwas ganz normales, das gehört mit zum Alltag dazu, ich glaube, da muss man nicht zu viel rein lesen. Einem amerikanischen Publikum wäre an der Stelle möglicherweise gar nichts unangenehmes aufgefallen.

      Und: ja, selbst wenn der Film im eigenen Stream-Paket „gratis“ mit drin ist, der schmale Preis für die DVD lohnt sich schon allein wegen dem Bonus-Material, das die paar Euro mehr als wert ist!
      Ich weiß nicht, ob ich mir den Film so bald noch mal anschauen werde, aber das Leica Reel werde ich mir ganz bestimmt regelmäßig reinziehen, das ist einfach fantastisch!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.