Data seine dystopischen Utopien

© Felix Herzog

Die jungen Greise… ist zum einen eine Episode aus der 2. Staffel Star Trek The Next Generation mit einer ganz schrecklich alt geschminkten Diana Muldaur alias Dr. Pulaski

…und ist zum anderen nur der Auftakt für einen Gedanken, der zu anderen Gedanken und uns wiederum zum eigentlichen Thema dieser Folge führt:

Der Frage nach und dem Philosophieren über Utopien und Dystopien in Star Trek (und anderen Werken der Science (und nicht Science) Fiction) – wie präzise definieren sich Dystopien, wie wage werden Utopien umrissen, warum das so ist, und ob es nicht vielleicht so ist, dass Star Trek uns die Utopie eher durch die

Denn Utopien sind halt irgendwie unser Ding.

Data sein Bücherregal (irgendwie, wenn auch nicht ganz richtig):

Sticky Monsters von John Kenn Mortensen

Data seine Links:

7 Antworten auf „Data seine dystopischen Utopien“

  1. Hallo Felo, Hallo Thure!

    Was kommt heraus, wenn der geistige Dünnpfiff von Querschwurblern als Inspiration für „Data sein Hals“ dient? Lasst es uns ausprobieren! 🤣🤣🤣 Schon toll, was für Dummfug sich menschliche Gehirne ausdenken können. Spock hätte hier bestimmt einen passenden Sinnspruch parat. Ich hatte auch mal einen Arbeitskollegen, der glaubte, Schulkinder würden unter ihrem Mund-Nasen-Schutz ersticken… Wat wellste maache?

    Ich wurde am letzten Freitag auch mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson geimpft. Am darauffolgenden Samstag gings mir mit Kopf- und Gliederschmerzen wie bei einem grippalen Effekt nicht so toll, aber jetzt bin ich wieder ok. Besser als eine schwere COVID-19-Infektion inkl. Krankenhausaufenthalt ist das allemal!

    Dr. Kate Pulaski ist wie ich finde sportlich und gut in Form. Die hängenden Brüste in eurem aktuellen Titelbild halte ich darum für unfair. Nur weil sie älter ist als der Durchschnitt der Crew heißt das noch lange nicht, dass ihre Brüste herunterhängen!

    Die Dystopie in der Folge „Unnatural Selection / Die jungen Greise“ ist ziemlich „saftig“! Menschen werden in Laboren gezüchtet und dabei „genetisch optimiert“, weil… irgendjemand gerade Bock drauf hatte. Dr. Pulaski sagt in einer Szene mit ehrlicher Begeisterung „Das könnte die Zukunft der Menschheit sein!“ und ich denke mir „Sag bloß! Die in Klonfabriken produzierten Jem’Hadar oder die Klonsoldaten aus Star Wars sind also jetzt ‚Die Zukunft der Menschheit‘? Welches außerirdische Virus hat Sie denn befallen?“. Schlimm ist auch, dass von der Crew niemand ernsthafte Kritik äußert, nicht mal der Philosoph und Moralist Picard. Dr. Kingsley bezeichnet die telepathischen „Kinder“ als ihre „größte Errungenschaft“. Ernsthaft? Meiner Meinung nach ist das eine astreine Dystopie!

    Die Inkonsistenz in der Darstellung genetischer Manipulationen an Menschen in der Föderation ist bemerkenswert:
    Im 20. Jahrhundert gibt es solche genetischen Experimente, bei denen Menschen erschaffen werden, die sich für unbesiegbare Superwesen halten (KHAAAAAAAAAN!!! & Co.) und die Erde erobern wollen. Shit happens! Danach werden genetische Manipulationen an Menschen verboten.
    Im 22. Jahrhundert versucht Dr. Arik Soong diese „Forschungen“ fortzusetzen und erzeugt seine eigenen „Augments“. Die möchten dann gern mal einen Krieg zwischen Klingonen und Menschen auslösen.
    Im 23. Jahrhundert scheint die genetische Manipulation von Menschen in der Föderation verboten zu sein, aber es gibt trotzdem solche Experimente wie das von Dr. Kingsley.
    Wo ist da die Logik? Gibt es einen Aspekt, den ich nicht sehe? Was haltet ihr von „Die jungen Greise“?

    LL&P 🖖 👋
    Michael

    1. Ich glaube das ist es was ernstgemeinte Utopien auch so selten macht: man muss selten sehr genau nachschauen um die Fehler und das dystopische potenzial zu finden – es viel zu Leicht in Fettnäpfen zu treten – was Star Trek ja auch gerne und regelmäßig macht 😀

      LL&P 🖖
      Thure

      1. Hi Thure!

        Man könnte darüber diskutieren, ob wir nicht von „unseren“ Dystopien eingeholt oder sogar überholt werden.

        Die Überwachungstechnik, die Eric Arthur Blair 1948 unter dem Pseudonym „George Orwell“ in seinem berühmten Roman „1984“ beschreibt, wird oder ist Realität.

        Die Science Fiction-Kurzgeschichte „The Prize of Peril“ von Robert Sheckley aus dem Jahr 1958 nimmt die heute allgegenwärtigen Reality TV-Shows vorweg.

        Die Sprawl-Series bzw. „Neuromancer-Trilogie“ von William Gibson (Erscheinungsjahr des 1. Romans: 1984) beschreibt z. B. Hackerangriffe und einen Cyberwar, die damals noch Science Fiction waren und heutzutage beinahe Alltag sind. Über die Leistungsfähigkeit der dort beschriebenen Computer können wir aber nur noch müde lächeln.

        Außerdem könnte man Aspekte anderer dystopischer Geschichten und Filme anführen, z. B. die selbstfahrenden Autos in Philip K. Dicks „Minority Report“ (1956) und die Gesichtserkennung in „RoboCop“ (1987).

        Außerdem gibt es eine Reihe dystopischer SF-Filme, deren vorhergesagte Zukunft wir, zumindest was die Jahreszahl angeht, schon überschritten haben:
        „Escape from New York“ von 1981 spielt im Jahr 1997
        „Blade Runner“ von 1982 spielt im Jahr 2019
        „The Running Man“ von 1987 spielt im Jahr 2017

        LL&P
        Michael

        1. Hi Michael,

          Gestern bin ich mit Karin an einer Fiale einer bekannten Burgerbraterkette vorbeigekommen. Der Laden war vollgestellt mit riesigen Touchbildschirmen an denen das Essen bestellet werden konnte. Keine Tische, kein Personal nur Bildschirme – sollte das wegen der Pandemie so sein, so funktioniert es nicht: die Bildschirme stehen recht nahe beieinander, ebenso wie die Menschen die sie bedienten. Ich weiß nicht warum aber das hat mich an verschiedene mit Cyberpunk angehauchte Bilderwellten erinnert. Ungefähr eine halbe Stunde später waren Karin und ich uns einig das so ein Cyberpunk Scenario für die nicht allzu ferne Zukunft realistisch wäre, vielleicht stecken wir schon mitten Drin. Natürlich müsste das ganze noch um eine kräftige Portion Umweltkatastrophe erweitern werden – gerade scheint die Welt entweder zu verbrennen oder zu ertrinken.

          Ab wann ist man sich eigentlich bewusst das man in dem lebt von dem die vorigen Generationen noch glaubten das wäre eine Dystopie?

          LL&P
          Thure

  2. Hi Thure!

    „Ab wann ist man sich eigentlich bewusst das man in dem lebt von dem die vorigen Generationen noch glaubten das wäre eine Dystopie?“

    Das ist eine gute Frage! Vielleicht können wir sie durch einen Blick in die Vergangenheit beantworten. In der Menschheitsgeschichte gab es schon so viele tiefgreifende Umwälzungen, dass die Welt nach Jahrzehnten und Jahrhunderten, erst recht nach Jahrtausenden im wahrsten Sinne des Wortes „nicht mehr wiederzuerkennen“ gewesen wäre. Da liegt die Dystopie nicht mehr fern!

    Wir konsumieren heute dystopische Geschichten, aber nehmen wir mal an, solche Geschichten wären schon im Altertum, in der Antike, im Mittelalter und in der frühen Neuzeit geschrieben worden. Wikipedia definiert eine Utopie als „eine meist in der Zukunft spielende Erzählung, in der eine erschreckende oder nicht wünschenswerte Gesellschaftsordnung dargestellt wird.“. Na ja, und wie hätte für einen Geschichtsschreiber oder Autor im Alten Ägypten, im Römischen Reich, im Byzantinischen Reich, im Aztekenreich, im chinesischen Kaiserreich usw. so eine „erschreckende oder nicht wünschenswerte Gesellschaftsordnung“ ausgesehen? Sie hätte sicher darin bestanden, dass das bestehende Reich untergegangen ist, von Feinden erobert und zerstört wurde oder nur noch als Kolonie eines anderen Imperiums existiert. Und all das hat es wirklich gegeben:

    Der Untergang des Römischen Reiches, das von „Barbarenstämmen“ erobert wird, wäre für die Römer eine Dystopie.

    Die Zerstörung und Eroberung des Byzantinischen Reiches durch die Türken wäre für die Byzantiner eine Dystopie.

    Die schwere Pestepidemie, die 1347 begann und heute „Schwarzer Tod“ genannt wird, wäre für Menschen früherer Zeiten eine Dystopie.

    Die Zerstörung und Eroberung der amerikanischen Hochkulturen durch die Europäer wäre für die amerikanischen Ureinwohner früherer Jahrhunderte eine Dystopie.

    Die Reformation und der Dreißigjährige Krieg wären für europäische Christen des 13., 14. und 15. Jahrhunderts eine Dystopie.

    Die beiden Weltkriege wären für Menschen früherer Jahrhunderte eine Dystopie. Allein das NS-Regime taugt schon ganz hervorragend für eine dystopische Geschichte.

    Der Kalte Krieg wäre für Menschen früherer Zeiten eine Dystopie. Zwei bis an die Zähne bewaffnete Supermächte, die sich gegenseitig belauern und ständig den Finger auf dem „Roten Knopf“ haben? Mindestens fünf „Close Calls“ zwischen 1962 und 1983, die beinahe das Ende der Menschheit durch einen atomaren Weltkrieg bedeutet hätten? Dystopischer geht es nicht!

    Vielleicht sind Menschen so versessen auf Dystopien, weil die Menschheit einfach schon hinreichend Erfahrung mit dystopischen Gesellschaften hat. Wir möchten eben immer wieder das sehen, was wir schon aus unserer Geschichte kennen (Krieg, Diktatur, Kriminalität, Rassismus, Ausbeutung, Umweltzerstörung etc.), auch wenn wir es scheiße finden.
    Heutzutage gibt es Dinge wie die Marktwirtschaft und die „sozialen Medien“, die das Leben der Menschen nicht immer positiv beeinflussen und Gegenstand dystopischer Geschichten sind. Ich sehe die Dystopie eher als einen fortlaufenden Prozess und weniger als etwas, das in einer fiktiven Zukunft stattfindet.

    Deine Frage beantworte ich darum folgendermaßen:
    Viele Menschen in vielen Zeitabschnitten der Menschheitsgeschichte könnten von sich behaupten, in einer Dystopie zu leben. Ob und wann man sich dessen bewusst wird, hängt von der eigenen Persönlichkeit ab. Andererseits sind alle heute lebenden Menschen die Nachfahren von Personen, die dystopische Welten der Vergangenheit, wie ich sie oben aufgelistet habe, überlebten. Das ist ein Hoffnungsschimmer in einer Welt, die dystopische Züge hat und schon immer hatte.

    LL&P
    Michael

    1. Vielleicht braucht man auch ein dystopisches Grundgefühl um die Dinge verbessern zu wollen. Wer sich selbst in utopischen Zuständen verortet wird die Notwendigkeit von Veränderungen nicht einsehen – und auch selten wirklich begreifen wollen das, dass selbe System das dessen wunderbares Leben ermöglicht, anderen eben dieses verweigert und mir fällt jetzt auch kein Punkt in der Geschichte ein wo das nicht der Fall gewesen wäre. Manchmal, aber echt auch nur ganz selten habe ich auch noch den Verdacht das, was ich als großartige Utopie ansehe, für einige Menschen sich anhören könnte wie die Beschreibung der Hölle :-).

  3. Hallo!

    Wo hier von Dystopien gesprochen wird, ich denke, wir leben alle in einer solchen. Im Ernst, die Aussicht, nach einer mehr oder weniger erfreulichen Schulzeit vierzig oder fünfzig Jahre zu ackern, um dann mit siebzig oder achtzig Jahren im Pflegeheim dahinzuvegetieren – das klingt nicht toll.
    Und Wissenschaft und Politik haben offenbar keine Antworten auf die Probleme der Menschheit, auf Habgier, Voreingenommenheit und Sinnleere.
    Die Lust auf literarische und filmische Dystopien kommt vielleicht daher, dass ein noch schrecklicheres Geschehen das aktuelle angenehmer erscheinen lässt.

    Nur so ein Gedanke.

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